Aktuelle ERC Guidelines

18.10.2010 –

Neue Leitlinien zur Reanimation des European Resuscitation Council (ERC) 2010
Am heutigen 18.10.2010 sind um 6:30 Uhr MESZ die ERC-Leitlinien (und gemeinsam die internationalen sog. ILCoR-Empfehlungen) erschienen. Unter: www.erc.edu können die Leitlinien heruntergeladen werden.

Die Leitlinen beschreiben nicht den „einzig richtigen Weg“, vielmehr fassen sie zusammen, welche Schlüsse weltweit anerkannte Experten der Reanimatologie aus den Studien der letzten fünf Jahre ziehen konnten – nicht mehr, aber auch nicht weniger! Wesentlichste Veränderungen gegenüber den Leitlinien 2005

Welche Neuerungen / Änderungen sind entscheidend und wichtig für den im Rettungsdienst Tätigen? Diese erste Zusammenfassung soll der schnellen Orientierung hinsichtlich dieser Frage dienen.

Natürlich erspart dieser kurze Text nicht das Lesen der kompletten Guidelines…

Herz-Druck-Massage

– Eine Herz-Druckmassage soll jede Person (mit oder ohne Ausbildung) durchführen können. Untrainierte sollten von Leitstellen zur
alleinigen Herzmassage instruiert werden.
– Eine Herz-Druckmassage soll mindestens 5 cm. tief erfolgen (alt: ERC 2005: 3,5-5cm) und die Frequenz bei 100 liegen. Nach 30
Massagen erfolgen 2 Beatmungen.

– Leitstellen sollen nach Abfrageprotokollen versuchen, Kreislaufstillstände zu erkennen und nach Algorithmen Anweisungen zur
Reanimation geben.
Ein großer Wert wird dem Erkennen der sog. „Schnappatmung“ als Hinweis auf einen Kreislaufstillstand gelegt.

Professionelle präklinische Reanimation

– Eine feste Zeitvorgabe für die sog. Initial-CPR (alt: ERC 2005: 2 min.) gibt es nicht mehr.

– Die Pausen zur Defibrillation müssen weiter minimiert werden. Während der Defibrillator-Ladung soll möglichst Druckmassage
durchgeführt werden oder maximal 5 s. pausiert werden. Der „Sicherheits-Check“ vor Auslösung der Defibrillation soll kurz sein –
das Risiko für die Helfer wird als gering angesehen, insbesondere wenn Handschuhe getragen werden.

– Feedback-Geräte (Rückkopplung) zur Unterstützung der Reanimation werden gefordert, um die Qualität der CPR zu verbessern.

Beatmung

– Die endotracheale Gabe von Medikamenten wird nicht mehr empfohlen (alt: ERC 2005: Dritte Alternative zu i.v. und i.o.) statt
dessen sollen intraossäre Zugänge genutzt werden.

– Die Kapnographie wird zusätzlich zur Erkennung eines Eigenkreislaufes als Indikator empfohlen.

– Eine Hyperoxämie nach wird nach Rückkehr eines Eigenkreislaufes als potentiell schädlich angesehen. Ziel ist das Erreichen
einer SpO2 von 94-98%. Hierzu soll titriert die FiO2 erhöht werden.

Medikamente

– Adrenalin wird gemeinsam mit Amiodaron nach der dritten Defibrillation bei KF/KT gegeben (alt: ERC 2005: Adrenalin vor der
dritten Defibrillation; Amiodaron vor der vierten).

– Atropin wird bei Asystolie oder EMD nicht mehr empfohlen.

Klinische Weiterversorgung

– Der Nutzen einer Linksherz-Katheter-Intervention bei Patienten nach Reanimation und mit Eigenkreislauf wird betont.

– Die Therapeutische Hypothermie wird für alle Formen des Kreislaufstillstandes empfohlen (alt: ERC 2005: nur KT/KF)

Unter: www.erc.edu können die Leitlinien heruntergeladen werden. Eine vorläufige deutsche Fassung finden Sie unter http://www.grc-org.de
18.10.2010

Dr. Andreas Bohn, Münster

 

GRC hier bekommen Sie die kompletten Guidelines

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